Erläuterung zu meiner Astrofotografie
VORNEWEG: Falls du kein Interesse an Astronomie oder Astrofotografie hast, dann höre bitte ab hier auf zu lesen und verschwende nicht deine kostbare Zeit. 😉
Oft werde ich gefragt, wie solche Aufnahmen entstehen. Hier eine kurze Erklärung:
Zunächst einmal zum verwendeten Fotoequipment: Alle Bilder wurden mit einer Spiegelreflexkamera oder einer spiegellosen Vollformatkamera gemacht – ohne riesige Teleskope. Dabei kamen ganz normale, teils sehr lichtstarke Weitwinkel- oder Teleobjektive zum Einsatz, je nach Bedarf auch mit Telekonvertern. Je nachdem, welches Objektiv am besten geeignet war, wurde es verwendet.
Die meisten der hier gezeigten Fotos, insbesondere von Nebeln und Galaxien, bestehen aus vielen Einzelbelichtungen, die teils über mehrere Nächte hinweg aufgenommen wurden. Hierbei kam eine astronomische Nachführung, auch „Montierung“ genannt, zum Einsatz. Diese sorgt dafür, dass die Erdrotation ausgeglichen wird. Ohne eine solche Montierung würde man sogenannte „Startrails“ erhalten (siehe erstes Bild in der Galerie). Die Erde dreht sich mit etwa 1.000 km/h, am Äquator sogar mit über 1.600 km/h. Die Montierung muss dabei genau auf den Himmelsnordpol ausgerichtet werden – und dieser befindet sich knapp neben dem Polarstern (auch Polaris genannt). Über einen Polsucher richtet man die Montierung aus, die dann zwischen Stativ und Kamera montiert wird. Mithilfe von Apps werden die GPS-Koordinaten der Montierung übermittelt, um die Ausrichtung perfekt vorzunehmen.
Die Frage ist nun: Wo befindet sich mein Motiv am Himmel? Auch das lässt sich leicht beantworten: Es gibt zahlreiche Astro-Apps, die einem helfen, das gewünschte Objekt zu finden. Mit etwas Übung und „Starhopping“ wird das schnell zur Routine. Autofokus wird deaktiviert, man fokussiert manuell auf einen hellen Stern, bis dieser möglichst klein erscheint. Die Blende wird so weit wie möglich geöffnet, und die ISO liegt meist zwischen 1600 und 3200 (mein Erfahrungswert). Die Belichtungszeit für jedes Bild sollte maximal 5 Minuten betragen. Am besten verwendet man einen Fernauslöser, der sowohl die Anzahl der Bilder als auch die Belichtungsdauer automatisch steuert.
Wenn alles eingerichtet ist, kann die Foto-Session beginnen. Montierung und Fernauslöser werden aktiviert, und es ist wichtig, auf einen stabilen Untergrund, ein stabiles Stativ und möglichst wenig Lichtverschmutzung zu achten. Nachdem hunderte oder sogar tausende von Bildern aufgenommen wurden, geht es an die Bildbearbeitung. Zunächst ist das Ergebnis enttäuschend, da auf einem Einzelbild nur wenig zu erkennen ist. Doch dann kommt die „Stacking“-Software zum Einsatz, die viele Einzelbilder übereinanderlegt. Hierfür ist eine hohe Rechenleistung nötig, und der Stacking-Vorgang kann durchaus mehrere Stunden dauern. Am Ende des Prozesses wird das Ergebnis sichtbar, und dann folgt die Feinarbeit: Tonwertanpassungen, Weißabgleich und Filter werden mit gängigen Bildbearbeitungsprogrammen vorgenommen. Dieser Workflow beschreibt nur ganz oberflächlich meine Herangehensweise, wobei es sicherlich noch andere Möglichkeiten gibt. Was die Sonnenfotografie betrifft noch ein ganz wichtiger Hinweis: Niemals ohne Sonnenschutzfilter mit Telebrennweiten die Sonne fotografieren!!! Im schlimmsten Fall verbrennt man sich die Netzhaut sobald man durch den Kamerasucher schaut. Man kann erblinden.
Zusammengefasst: Diese Art der Fotografie erfordert viel Zeit, Geduld und in kalten Winternächten auch eine dicke Jacke sowie viel Kaffee, um wach zu bleiben. Leider gibt es immer mehr fliegende Objekte wie Flugzeuge oder Starlink-Satelliten, die auf den Bildern Spuren hinterlassen. Glücklicherweise gibt es Software, die diese Störungen wieder herausrechnen kann.
Am Anfang macht man viele Fehler – wirklich viele. Aber genau daraus lernt man. Für mich ist diese Art der Fotografie besonders spannend, weil mich die unendlichen Entfernungen und Größenordnungen der Himmelskörper faszinieren. Sie helfen mir, die wichtigen Dinge im Leben in den richtigen Maßstab zu setzen.
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Erklärung Entfernungen und Maßeinheiten:
In der Astronomie stößt man bei Kilometerangaben sehr schnell an die Grenzen. Unten ein kurzer Vergleich zu den Maßeinheiten und ihren Größenordnungen.
| Maßeinheiten in der Astronomie | |||
|---|---|---|---|
| 1 Lichtsekunde = 299.792 km | Entspricht ca. Entfernung Erde > Mond | ||
| 1 AE (Astronomische Einheit) = 149,6 Millionen km | Entspricht ca. Entfernung Erde > Sonne | ||
| 1 LJ (Lichtjahr) | Entspricht 63.197,8 AE | ||
| 1 PC (Parsec) | Entspricht 3,26 LJ (Sonnennächster Stern Proxima Centrauri 4,2 LJ) | ||
| 1 KPC (Kiloparsec) | Entspricht 1.000 PC |
Ein Beispiel: Die Andromeda-Galaxie (M31), Nachbargalaxie unserer Milchstraße, befindet sich in 2,5 Millionen Lichtjahre Entfernung zur Erde. Umgerechnet wären das ungefähr 765,979 Kiloparsec. In Kilometern wäre das eine unaussprechliche, zwanzigstellige Zahl. Man bedenke, daß die Andromeda-Galaxie „nur“ in unserer unmittelbaren Nachbarschaft liegt. Das abgebildete Foto liegt also 2,5 Millionen Jahre in der Vergangenheit, weil eben das Licht welches ich bei dem Foto gesammelt habe, 2,5 Millionen Jahre benötigte bis es meinen Kamerasensor erfasst hat. Wer weiß, wie sie im „hier und jetzt“ aussieht? Man wird sehen – in 2,5 Millionen Jahren.